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Koiteiche werden immer beliebter – alles was man dazu wissen sollte

Bildnachweis bluefish_japan / CC0 Public Domain-Pixabay.com

Wenn vom Koi die Rede ist, dann spricht man zeitgleich vom sowohl edelsten wie auch teuersten Süsswasserfisch weltweit. Die für diese Karpfenart hierzulande gerne verwendete Bezeichnung „Koi-Karpfen“ ist dabei jedoch gewissermaßen irreführend, da es sich bei dem Wort „Koi“ bereits um das japanische Zeichen für Karpfen handelt. Korrekt wäre die Bezeichnung „Brokatkarpfen“ oder auch „Farbkarpfen“, zu Japanisch „Nishikigoi“. Der Begriff Koi (Goi) hat sich allerdings fest etabliert, weshalb auch wir dabei bleiben möchten.

Die Besonderheiten des Koi

Also sogenannter Farbkarpfen stellt der Koi einen zumeist reinen Zuchtkarpfen dar dessen Herkunft bis heute völlig ungeklärt, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit in Japan zu finden ist, wo er als Symbol für Stärke gilt. Es handelt sich dabei um eine, teils sehr spektakuläre und farbenprächtige, Mutation des gemeinen Karpfens – einige Farb- und Zuchtvarianten können bei Liebhabern Kaufpreise im fünfstelligen Bereich erzielen. Sowohl Zucht wie auch Haltung der Koi sind äußerst komplex und schwierig, da die Anfälligkeit für Krankheiten als ziemlich hoch eingestuft wird – eine konstante und regelmäßig kontrollierte Wasserqualität ist bei der Haltung dieser Edelfische der absolut wichtigste Aspekt. Fehler oder Unaufmerksamkeiten diesbezüglich werden nur schwer verziehen, weshalb viele Koi bei unzureichenden Teichbedingungen oftmals nur ein Lebensalter von 10 Jahren erreichen, obwohl das biologische Durchschnittsalter durchaus bei 50 bis 70 Jahren und darüber liegen kann.

Der Koi Teich und die wichtigsten Rahmenbedingungen

Bereits in den ersten groben Zügen der Teichplanung sollte berücksichtigt werden, dass pro Koi eine Wassermenge von mindestens 1.000 Litern empfohlen wird, vorausgesetzt die Filteranlage ist entsprechend dimensioniert. Schlechtere Filter erforden deutlich mehr Volumen pro Fisch. Da ein Koi im Schnitt bis zu einen Meter lang werden kann, unter optimalen Bedingungen sogar bis zu 1,5 Meter, und es darüber hinaus nur in den seltensten Fällen dauerhaft bei den ersten vereinzelten Fischen bleibt (die meisten Koihalter entwickeln ziemlich schnell eine gewisse Sammelleidenschaft) sollte dies von Beginn an in die Größenordnung der Teichanlage mit einfließen. Der Koi ist darüber hinaus ein sehr geselliger Fisch. Pro Teich werden daher mindestens 4-5 Tiere empfohlen. Bei einer Teichtiefe von mindestens 1,8 Metern (empfohlender Richtwert) beträgt das einzuplanende Mindestvolumen für einen Koi Teich somit 10.000 Liter bei zeitgleich ausgezeichneter Filtrierung. Attraktive Teichanlagen die sich gut in einen Garten integrieren und leicht pflegen lassen, und in den laufenden Kosten dennoch tragbar bleiben, belaufen sich in ihren Volumina um die 25.000 – 30.000 Liter – hier kann man von einem gewissen Standard sprechen der für mehrere Tiere geeignet ist und sich etabliert hat. Bei der Lage und Ausrichtung des Teichs ist indes in erster Linie nur darauf zu achten, dass die meisten Teichpflanzen die Sonne schätzen, halbschattige bis vollsonnige Standorte somit vorzuziehen ist. Ein zusätzlicher schattigerer Bereich kann allerdings eine zu enorme Algenbildung verhindern – hier ist die Filteranlage sowie die weitere Bepflanzung entscheidend, ob dies nötig ist oder nicht.

Das optimale Teichkonzept

Die Form des Teichs gestaltet sich weitestgehend als reine Geschmacksfrage, das Design sollte insgesamt aber eher gerade Formen und leichte Rundungen in den Ecken aufweisen. Grund hierfür ist die zwingend erforderliche Ringströmung die erzielt werden muss, das Wasser muss im Teich kreisen. Dies dient vornehmlich der Filtrierung und damit der Wasserqualität, stehendes Wasser ist aber darüber hinaus auch kein Optimum für die Fische, die sich in freier Natur vorwiegend in fließenden Gewässern wie Flüssen aufhalten, und aufgrund ihrer Masse und Stärke sogar Strömungen und Wasserfälle spielend überwinden können. Allzu verspielte Teichformungen können zudem zu „toten Zonen“ führen in denen das Wasser nicht zirkulieren kann – hier setzt sich zwangsweise unkontrolliert Schmutz ab der die Wasserqualität empfindlich belasten kann, und der regelmäßig per Hand entfernt werden müsste. Die Zirkulation wird durch den Bodenablauf sowie den Einlauf gewährleistet und mit einem Durchmesser von 4 Metern pro Bodenablauf beschrieben. Bereits ein Teich mit den Maßen 5×5 Meter würde daher zwei solcher Ab- und Einläufe benötigen, welche direkt an das Filter- und Pumpensystem angeschlossen werden. Dieses sollte im übrigen leicht zugänglich angelegt werden (zwecks Wartung) und ausbaufähig sein, für den Fall, dass später leistungsstärkere Anlagen eingesetzt werden sollen oder gar müssen.
Die Filter- und Pumpenanlage sollte nur von erfahrenen Teichbesitzern selbst gewählt und integriert werden, in allen anderen Fällen empfiehlt sich der Fachmann. Wichtige Aspekte wie die optimale Ringströmung, die Dimensionierung der Anlage, Nass- oder Trockenpumpe, und Fachvokabular wie Pumpenkennlinie und Co. machen das Thema für unbedarfte Teichneulinge zur einer potentiellen Fehlerquelle, die stets zu Lasten der Tiere ginge.

Heizen oder nicht heizen, das ist hier die Frage

Die Frage nach der Temperierung, oder eben Nicht-Temperierung, des Teichwassers stellt sich gleich aus mehrerlei Gründen, da die Temperatur Einfluss nimmt auf unterschiedlichste Bereiche. Vorweg muss gesagt werden, dass der übliche Koi Teich über keine nennenswerten Temperaturschichten verfügt. Das heißt, das Wasser ist in der Regel überall und in jeder Tiefe (bis 3 Meter, aber so tief sollte ein Koi Teich ohnehin nicht sein) gleich warm oder gleich kalt.
Ein Koi kann – soweit jedenfalls die Theorie – bis zu einer Wassertemperatur von +4 Grad überleben, darunter wird es für den Fisch lebensbedrohlich. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Temperatur allzu sehr vernachlässigt werden sollte. Sinkt die Wassertemperatur unter 17 Grad stellen die Karpfenartigen ihr Wachstum ein, bzw. verlangsamen selbiges drastisch. Auch die Wundheilung wird ab dieser Temperaturgrenze massiv schlechter, unter 15 Grad reduziert sich das Immunsystem in seiner Leistungsfähigkeit und auch die Verdauung wird langsamer. Bereits ab 10 Grad stellen Krankheitserreger und Bakterien deutlich ihre Aktivität ein. Das klingt jedoch nur auf den ersten Blick positiv, denn das betrifft auch direkt die Filterbakterien – die Abbauleistung der Filter werden also stark reduziert. Eine konstante Temperierung auf 18 Grad hat daher sowohl technische Vorzüge wie auch solche für das Wohl der Tiere. Und wer im Winter die Temperatur hält, bei dem wachsen auch die Koi im Winter weiter.

Naturteich oder nicht?

Ganz klar: Wer sich solch prächtige Tiere hält, der möchte auch etwas davon haben. Die Farbenpracht ist immerhin mit der ausschlaggebende Grund für die Unterhaltung eines Koiteichs. Die meisten Koihalter bevorzugen daher logischerweise besonders klares Wasser um sich an den wundervollen Farben und den geschmeidigen Bewegungen jederzeit erfreuen zu können. Wie alle anderen Karpfen jedoch auch bevorzugen wildlebende Koi naturtrübe Gewässer. Die Fische sind äußerst verspielt, buddeln liebend gerne in Sand und Boden und rupfen Pflanzen aus um diese zu fressen. Darüber hinaus bietet trübes Wasser einen optimalen Schutz vor Raubvögeln wie dem Fischreiher – die leuchtenden Farben sind für Räuber ein klares Signal für die Jagd. Mit Sicherheit fühlen sich Koikarpfen daher in eher trüben und natürlich belassenen Teichanlagen wohler und sicherer. Wer auf klares Wasser dennoch nicht verzichten will, der sollte die Seitenwände des Teichs möglichst steil anlegen. Dies bietet weniger Standfläche für Räuber, und damit auch weniger Möglichkeiten für diese zu fischen. Ein weiterer Vorteil naturnaher Teiche ist die positive Auswirkung auf die Wasserqualität. Wasserpflanzen erzeugen wertvollen Sauerstoff, ein gut durchdachter natürlicher Teichboden filtert zusätzlich und wirkt sich auf die Wasserhärte und den pH-Wert aus.

Regelmäßige Kontrolle für ideale Wasserwerte

Die wichtigsten Wasserwerte die man bei einem Koi Teich im Auge haben sollte sind Ammonium/Ammoniak, der pH-Wert, der Sauerstoffgehalt sowie die Nitritwerte. Jeder einzelne davon kann bei einer Abweichung vom Optimalwert zu Krankheit und zum Tod der Tiere führen – elektronische Messungen ein mal die Woche sind daher ein absolutes Muss. Von optimalen Werten spricht man, wenn der Ammoniakgehalt bei unter 0,2 mg pro Liter liegt, die Wasserhärte bei 10-15 dGH, der pH-Wert zwischen 7 und 7,5 und die Nitratwerte bei 150 mg pro Liter. Besondere Vorsicht sollte geboten werden beim Befüllen mit Brunnenwasser (häufig hohe Nitratwerte, sie färben das Wasser durch vermehrte Algenbildung grün und sind gefährlich für die Fische) sowie bei Leitungswasser. Letzteres sollte über einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen vor dem Einsetzen der Fische gereinigt und gefiltert werden, da Chlor und Chloramine, die sehr häufig in Leitungswasser enthalten sind, absolut toxisch für den Koibesatz wären.

Tipps und Trick für einen gesunden Besatz

Um in seinem Koi Teich den pH-Wert auf natürlichem Wege positiv zu beeinflussen kann Torf in den Teich eingebracht und/oder die Fütterung reduziert werden. Beides senkt den pH-Wert, während die Zugabe von Salz wiederum die Wasserhärte erhöht. Eine dichte Bepflanzung erhöht besonders im Sommer den Sauerstoffgehalt, der temperaturabhängig ist. Selbst die Besatzdichte nimmt Einfluss auf die genannten Werte, weshalb der Besatz im Koi Teich stets ausgewochen und nie zu dicht sein sollte. Der besonders gefährliche Nitratgehalt kann durch Sumpfpflanzen deutlich gesenkt werden. Ein Drittel im Koi Teich mit Sumpfpflanzen bestücken reicht dabei vollkommen aus – sie sollten jedoch in seichtem Wasser von ca. 20 cm Tiefe gepflanzt und mit Steinen vom Rest des Beckens abgetrennt werden, da die Koi das Sumpfpflanzenareal sonst als Buffet betrachten. Im Teich selbst sollten Seerosen, Hornblätter oder Rohrkolben gepflanzt werden, da diese Pflanzen von den Fischen nicht als Futter betrachtet werden, sofern die Koi Möglichkeit zum gründeln haben (also nicht in Klarwasserbecken gegeben).
In der Regel wird außerdem empfohlen sich seine Koi von einem anerkannten Importeur besorgen zu lassen der die nötige Quarantäne einhält, zertifiziert ist und somit nur gesunde Tiere ausbringt. Man sagt, dass die anerkanntesten Koizuchten aus Japan stammen – ihnen wird der höchste Wert beigemessen, und die größte Erfahrung.

Obwohl bei Fischen gerne unterschätzt handelt es sich beim Koi doch ebenso um ein Lebewesen wie bei dir und mir – es sollte daher selbstverständlich sein die nötige Sorgfaltspflicht walten zu lassen, zumal die Tiere ja auch einen nicht geringen Wert mitsich bringen. Das bedeutet auch, sich mit der Koihaltung im Vorfeld intensiv zu beschäftigen, Fachliteratur zu studieren, im Zweifel den Fachmann zu konsultieren und natürlich auch tierärztliche Kosten mit einzukalkulieren, die gerade bei Fischen nicht unbedingt gering ausfallen.

Bildnachweis:
Titelbild – Koiteich CC0 Public Domain-Pixabay.com

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